Zwischenstand Mai 2017 (statt Törnbericht Nr. 3)

… hier sollte eigentlich der Törnbericht Nr. 3 (Cornwall) vom 28.04. bis zum 03.05. stehen. Aber aufgrund einiger Schwierigkeiten und Problemen, mit denen Chimichanga aus dem Winterlager kam, wurden die Tage genutzt unser Boot wieder „seetüchtig“ zu machen.

Am Freitag den 28.04. kamen wir nach einem leicht verspäteten Flug von Stuttgart über London erst um Mitternacht in Plymouth im Yachthafen an.

Chimichanga wartete schon im Hafen auf uns und wir konnten im Hafenmeisterbüro den Schlüssel in Empfang nehmen.

Nachdem die Heizung Ihren Dienst verrichtet hatte, wurde es gemütlicher und wir liessen uns ermüdet in die Kojen fallen.

Die nächsten beiden Tage sollte das Wetter uns in typisch englischer Manier beglücken (Regen und Starkwind) und so wollten wir die Tage nutzen, die Technik und Sicherheitsausrüstung von Chimichanga zu überprüfen.

Was da alles auf uns zukam konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, nur soviel sei gesagt: Aus dem geplanten Kurztörn entlang der Küste Cornwalls sollte nichts werden….

Als wir uns den ersten Überblick verschafften, bemerkten wir, dass die Rigger nicht nur vergessen hatten die Lazyjacks wieder anzubringen, auch die Dreifarbenlaterne leuchtete nicht und der Radar war nicht funktionstüchtig. Schon mal schlecht. Insbesondere, da das lange Wochenende anstand und nun mit dem Feiertag am 01.05. erstmal überhaupt nichts passieren würde.

Den Feiertag nutzen wir, um mithilfe des Bootsmannstuhles die Lazyjacks anzubringen und nach den Birnchen der Beleuchtung zu sehen. Dem Radar war kein leben einzuhauchen was – so bemerkten wir später- an den fehlerhaften Anschlüssen am Mastfuß lag.

 

So genossen wir Plymouth und das Barbican – wie das Hafenviertel mit seinen unzähligen Pubs und Booten genannt wird – und nutzen die Zeit, uns schonmal mit haltbarem zu Verproviantieren, da uns unser nächster Schlag ja direkt über die Biskaya führen sollte.

Plymouth ist auf jeden Fall eine Reise wert und hat uns auch diesmal wieder einnehmend gut gefallen !

Die Arbeiten der lokalen Werften und Yachtservices sind allerdings (sofern von uns getestet) dringend zu vermeiden.

Im Winterlager sollte die ansässige Werft die defekten Dichtungen der Decksdusche austauschen, die Wasser- und Dieseltankanzeigen – die nicht mehr funktionierten- ersetzen, und neues Anitfouling anbringen. Was wir im Verlauf bemerkten war, dass die Wasseruhr nicht tat. Aha. Die Spritanzeige zeigte „voll“, was uns zunächst nicht irritierte da diese ja immer voll anzeigte und wir vor dem Winterlager nicht allzuviele Motorstunden angehäuft hatten. Als nach einem Kurztrip am Dienstag den 02.05. die Werft sowie der Rigger wieder „bei der Arbeit waren“, suchten wir beide auf und baten um Problemlösung. Der Rigger verwies auf die Werft, die wohl die Kabelanschlüsse machen sollten. Diese meinte: nee das hätten die Rigger verbockt da waren sie nicht dran, so dass auch dieser Tag verging bis gegen Abend endlich einer der Rigger kam  – alle Kabel irgendwie herauszerrte – und meinte: Die Kabel sind ok, das muss an der Antenne liegen (nicht sein Bereich), die hätte die Werft abgebaut. Und so ging das hin und her weiter. Keiner war verantwortlich, keiner wollte/konnte helfen – unser Urlaub neigte sich dem Ende zu.

Am vorletzten Tag unseres Urlaubes verholten wir in die Mayflower Marina in Plymouth von wo aus wir in zwei Wochen im Rahmen der ARC Portugal nach Spanien und über die Biskaya starten wollten. Völlig genervt von den hiesigen Servicebetrieben konnte es ja jetzt nur besser werden. Leider waren wir selbst mit der Bordelektrik noch nicht so vertraut um die Probleme selbst in die Hand zu nehmen…. Wir schworen uns später, uns mit dem Thema vertrauter zu machen.

Der örtliche Elektriker konnte nach unzähligen Versuchen (tryal and error) den Radar und die Dreifarbenlaterne in Betrieb nehmen was ca 10 Aufstiege in den Mast und eine zwischendurch installierte „Ersatz Radar Antenne“ benötigte. Es lag an der Verbindung am Mastfuß. Danach funktionierte der Windmesser nicht mehr. Diesem war trotz unzähligen Interventionen kein vernünftiges Signal mehr zu entlocken, so dass auch dieser ersetzt wurde. Naja…… Die Woche erinnerte uns an das Sprichwort: „Segeln ist wie unter der kalten Dusche Hunderter zu zerreissen“. Stimmt.

Am Abreisetag wollten wir nochmal volltanken, um in zwei Wochen direkt die Tide zu nutzen und den Schlag nach Bayona zu starten!

Den Tankstutzen eingeführt und dem hilfsbereiten Marinero den Daumen hoch gezeigt, er startete. Nach einigen Minuten denke ich: … hmmmm der Tank war doch leerer als ich dachte….. Nach einigen Minuten denke ich: der sollte doch längst voll sein? Ich frage: Wieviel ist drin? Der Marinero: Fast 200 liter. Ich stoppe unmittelbar das ganze und bitte Angelika im Boot mal geschwind einen Blick in die Bilge zu werfen….

DER BLANKE HORROR.

Die Bilge stand voll mit Diesel, der Gott sei dank zwar noch nicht die Bodenbretter erreicht hatte, aber die Bilge (und die ist sehr tief) nahezu vollständig ausfüllte.

Hatten die %*#-!- Trottel den Geber der Tankuhr zwar abgeschraubt und wieder aufgesetzt  – aber nicht festgeschraubt………….. Der Rest der Geschichte kurz: Flug verschoben, ca 180 l Diesel von Hand mit der (zuvor erworbenen) Handpumpe in Kanister gelenzt – gefühlt 50 mal zur Entsorgungsstelle gelaufen. Das Telefonat mit der „ausführenden Firma“ fiel dann eher kühl, mit niedrigem Freundlichkeitsgrad aus.

Die kamen mit ner Putzkolonne und machten „im Rahmen Ihrer Möglichkeiten“ sauber… Unser schönes Boot….

Achja: Unnötig zu erwähnen dass die Decksdusche weiter tropft und die Wasseruhr nicht funktioniert. Das Unterwasserschiff konnte ich im trüben Wasser des kalten Plymouthsound nicht inspizieren. Vielleicht besser so…….

 

Am Ende konnten wir aber beruhigt abreisen, die Biskaya konnte kommen. Alle sicherheitsrelevanten Belange waren in Ordnung und einiges an Proviant und Wasser schon an Bord.

Nach dem Ärger kam nun die unbändige Vorfreude auf den bevorstehenden Törn auf !

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