Zeeland (NL) !
Törn von Scharendijke bis Breskens 06.05.2016 bis 16.05.2016.
Der Törn sollte uns von Scharendijke durchs Grevelingenmeer über die Oosterschelde und die Nordsee in die Westerschelde führen.
Scharendijke – Stampersplaat – Brouwershaven – Mosselbank – Zierikzee – Roompot – Breskens
Da es unser erster Törn mit Chimichanga war wollten wir uns viel Zeit zur Bootsübernahme lassen, und um uns langsam an unser neues Schiffchen zu gewöhnen. Da wir bisher noch nie in Gezeitengewässern unterwegs waren, war das Revier auch ideal um unsere theoretischen Kenntnisse der Gezeitenkunde endlich einmal in die Praxis umzusetzen.

6. Mai 2016 – Ankunft in Scharendijke:
Am Freitagabend kamen wir also nach einigem entnervenden Verkehr um Eindhoven in Scharendijke an. Chimichanga wartete schon am Steg vor der Werfthalle im Hafen auf uns.
Nachdem unsere Sachen und Vorräte verstaut waren ging es ans ausgiebige Checken des Bootes, der Technik und Sicherheitseinrichtungen.
7. Mai 2016 – Pferdeinsel Stampersplaat:
Bei schönem Wetter und 2 Bft Westwind ging es heute endlich los. Hinaus aufs Grevelingenmeer. Nach einigen Übungsmanövern ging es durchs gut betonnte Fahrwasser nördlich der künstlich angelegten Insel Archipel, die mit einigen schönen Anlegemöglichkeiten nördlich der deutlich größeren Insel Stampersplaat liegt.
Auf der Insel Stampersplaat legten wir nach einigen weiteren Manövern und nachdem alle Reffs einmal probehalber angeschlagen wurden im Süden der Insel in der gut geschützten Bucht mit perfekten Anlegemöglichkeiten an.
Nach wir längsseits am Steg fest gemacht hatten und uns erst mal in der Abendsonne die Beine vertraten, fegte auch schon eines der zahlreichen kleinen Pferde, die hier ganzjährig leben, um die Anlegestelle. Auch beim weiteren Erkundungsgang über die Insel begegneten uns doch einige dieser Bewohner. Hier können wir prima relaxen, die Abendsonne geniessen und erst einmal in Zeeland und im Urlaub ankommen.
8. Mai 2016 – Brouwershaven:
Auch der heutige Segeltag stand ganz im Zeichen des Ausprobierens und Austestens. Wir kreuzten erneut im Grevelingenmeer und machten uns mit der Technik und der Elektronik vertraut. Gelegen kam uns, dass der Wind etwas auffrischte und wir die Segeleigenschaften von Chimichanga nach Herzenslust testen konnten.
Am Abend ging es durch die stets geöffneten Schleusenstore nach Brouwershaven. Hier lagen wir wunderbar unter der Kaimauer im Ortskern der Altstadt. Nach einem ausgiebigen Spaziergang und Besichtigung der etwas überdimensionierten Kirche, die noch von Zeiten Zeugnis ablegt als Brouwershaven noch einen bedeutenden Seehafen darstellte – bevor das Grevelingenmeer durch einen Abschlussdeich von der Nordsee abgeschnitten wurde – konnten wir den Tag in einem der netten Restaurants am Altstadthafen ausklingen lassen.

9. Mai 2016 – Erster Schreck und Mosselbank:
Heute ging es noch einmal zurück nach Scharendijke, da wir in den letzten Tagen bemerkten, dass unser Radar nicht einwandfrei funktionierte und wir noch einmal den Techniker der Werft in Anspruch nehmen mussten. Bei der Ausfahrt von Brouwershaven einmal nicht aufgepasst – wurde uns die (einzige?) Tücke des Reviers nochmals unvermittelt klar. Ging es südlich oder nördlich der rot-grünen Fahwassertonne vorbei? „Ich glaube südlich“ sagte ich ohne größer nachzudenken oder auf der Karte nachzuschauen. Da sich zwei Fahrwasser kreuzen und wir aus dem Hafen fahren, bringt auch der flüchtige Rundumblick keine Klarheit, als auch schon schlagartig die Fahrt aus dem Boot geht und wir drohen festzukommen. Es ging quasi ein Ruck durchs Boot. Au weia. Jetzt bloss nicht steckenbleiben im seichten Schlick. Angelika riss geistesgegenwärtig das Ruder Richtung Fahrwasser herum und gab Gas. Chimichanga schob sich noch spürbar durch ein bis zwei Meter Schlick und schon waren wir wieder frei. Puh nochmal Glück gehabt – nicht auszudenken, was ein Festkommen nun an Stress bedeutet hätte. Wir geloben von nun an besser die sowieso bereitliegende Karte zu studieren.
Später in Scharendijke konnte der Techniker nach einigem hin und her und mit unserer Hilfe die Kabelverbindung zwischen Mast und Plotter endlich genügend herstellen, so dass wir ein einwandfreies Radarbild empfangen konnten. Jetzt konnte es also endlich losgehen. Über die Grenzen des schönen, geschützten und friedlichen Grevelingenmeers hinaus in die Oosterschelde.
Es ging heute noch zur Mosselbank, eines der künstlich angelegten Atolle, die für die Wassersportler in Grevelingen geschaffen wurden. Hier lagen wir in mittlerweile gewohnter Ruhe mit nur einem Stegnachbarn auf der westlichen der beiden Inseln.
Insgesamt hat uns das Grevelingenmeer mit seinen Inseln und Anlegestellen inmitten der Natur super gefallen, dennoch freuten wir uns nun auf die „echte“ Seefahrt und Gezeitennavigation mit der es bereits morgen losgehen sollte. Zwischen uns und der Oosterschelde lag nur noch eine Schleuse.
10. Mai 2016 – Schleuse Nr.1 und Zierikzee:
In aller Herrgottsfrühe klingelte zum ersten Mal in diesem Urlaub der Wecker. Unser heutiger Trip sollte uns von der Grevelingsluis durch die Zeelandbrug nach Zierikzee bringen. Da wollten wir doch den Strom, sprich das ablaufende Wasser nutzen um unsere Fahrt zu beschleunigen. Nochmals in der Strömungstabelle versichert dass wir richtig liegen, steuerten wir also bei völliger Windstille im Nieselregen und Morgengrauen in Richtung Schleuse. Insgeheim graute auch mir ein wenig vor der Schleuse. Trotz einiger Törns im Mittelmeer, in der Karibik und am Bodensee konnten wir noch nie Erfahrungen beim Schleusen sammeln. Komisches Gefühl etwas zum allerersten Mal zu machen. Etwas verunsichert durch allerlei „Erfahrungsberichte“ und Horrorszenarien aus Foren und Törnberichten betreffend der holländischen Schleusen machten wir am Meldesteiger fest. Weit und breit kein Mensch zu sehen. Vermutlich ferngesteuert wie viele der Schleusen in Holland. Auch auf Funkruf keine Antwort. Zwei Berufsfischer wurden gerade Richtung Grevelingen geschleust, also war die Schleuse in Betrieb. Als das Lichtsignal zur Schleusenseinfahrt aufleuchtete konnten wir unbedrängt und problemlos in die Schleuse einfahren und unsere Leinen an der Schleusenwand an den dafür vorgesehenen Pollern (natürlich auf Slip) belegen. Es war wohl der frühen Stunde und dem Schietwetter geschuldet, dass wir völlig alleine Schleusen konnten. Perfekt zum Üben.
Die erste Schleuserei unseres Seglerlebens wurde also problemlos gemeistert! Es sollten bald noch einige folgen.

Kurz darauf flogen wir praktisch mit ablaufendem Wasser und auffrischendem Wind (Bft 2-3) mit halbem Wind auf die Zeelandbrug zu. Nachdem wir uns via Funk angemeldet hatten, wurde diese auch zügig für uns geöffnet. Schon ein lustiges Gefühl wenn eine solche Brücke einzig und allein für ein kleines Segelboot wie das unsere geöffnet wird. Gut, dass noch ein zweites Boot entgegen kam, so dass wir wegen der vielen Autofahrer, die oben warten mussten kein soo schlechtes Gewissen hatten.
Gegen Mittag bogen wir nach Steuerbord in den 1,6 Seemeilen langen Havenkanaal von Zierikzee ein. Den „Monstertoren“ konnten wir ja schon aus der Ferne sehen. Hier machten sich erneut Unterschiede zu den bisher besegelten Revieren bemerkbar. Zwei Stunden vor Niedrigwasser setzte doch noch ein deutlich spürbarer Strom Quer zum Liegeplatz zwischen zwei Dalben, der uns vom freundlichen Hafenmeister am Steg zugewiesen wurde. Der Seitenwind kam noch dazu. Na toll.
Unter dem Motto „Übung macht den Meister“ haben wir es trotz einem bisschen Nervosität, ohne größere Hektik – und vor allem ohne Schramme am Boot und denen der Nachbarn – geschafft anzulegen. Zierikzee versöhnte uns dann aber direkt mit viel holländischen Flair, einer super schönen Altstadt und sogar noch etwas Abendsonne. Für uns bleibt Zierikzee bis heute ein Highlight in Zeeland.
11. Mai 2016 – Planänderung wegen Wettervorhersage, Roompot:
Heute stand eine etwas kürzere Etappe auf dem Tagesplan, weshalb wir nach einem ausgedehnten Frühstück gemütlich ablegen und den Kanal von Zierikzee am späteren Vormittag hinter uns lassen konnten, um noch ein wenig mit der Strömung nach Roompot zu segeln. Der Wetterbericht kündigte für die nächsten Tage ein Tiefdruckgebiet mit den dazugehörigen Fronten an, was eine deutliche Wetterverschlechterung mit sich bringen sollte. Wir hatten nun zwei Möglichkeiten:
Morgen in einem Schlag über die Nordsee nach Breskens segeln, um noch vor dem stürmischen Wetter ans Ziel unseres Törns zu gelangen, oder binnen durchs Veerse Meer und den Kanaal door Walcheren zu tuckern und Middelburg einen Besuch abzustatten.
Schon nach kurzer Beratung war klar, dass Angelika und ich einer Meinung waren: Ein spannender Segeltag sticht Kanaltuckerei um Längen, also in Roompot festgemacht um am nächsten Morgen mit der richtigen Gezeit aus der Roompotsluis in die Nordsee auszulaufen.
Roompot selbst ist eine zweckmäßige große Marina die dem großen Campingplatz und der großen Ferienhaussiedlung geschuldet ist. Nach Brouwershaven und Zierikzee sind wir von Roompot eher wenig beeindruckt. Immerhin können wir im nahe gelegenen Supermarkt unsere Vorräte auffrischen.
12. Mai 2016 – Schleusen die Zweite und Nordsee:
In der Früh geht es kurz nach Sonnenaufgang los zur Roompotsluis. Die Schleusenseinfahrt gelingt mühelos und wir liegen auch schnell gemütlich an der Steuerbord-Schleusenwand. Die Schleuse ist relativ geräumig und außer uns nur mit einen weiteren Boot besetzt. Der Bewuchs der Schleusenwand zeigt uns, dass es wohl aufwärts gehen wird. Dann der Schreck: wir haben unter einer Brücke festgemacht, so wahnsinnig viel Luft ist nicht zwischen Mast und Brücke. Also schnell und hektisch in den freien Bereich weiter nach vorne verholt, bevor die Schleusenkammer dann auch direkt geflutet wird. Das alles sah aber wahrscheinlich etwas überstürzt aus und hatte gottseidank nur einen Zeugen. Dieser beruhigte uns danach: Es geht doch nur einen knappen Meter aufwärts. Wenn er das mal 2 Minuten vorher gesagt hätte…
Jetzt aber raus auf die Nordsee. Endlich.
Die Wettervorhersage beim Hafenmeister sagte für den Heute noch moderate Verhältnisse voraus mit durchschnittlich 4Bft in Böen 5 und Sonnenschein. Wir entschieden uns für die Route westlich des Kardinalzeichens Kaloo – also ca 5 sm vor der Küste um der küstennahen Berufsschiffahrt im Fahrwasser Oostgat aus dem Wege zu gehen. Die Tide mit uns fegte Chimichanga auf Halbwindkurs südlich in Richtung Westerschelde. Das Wetter wurde doch schon deutlich diesiger aber wir machten gute Fahrt. Dann erneut ein kleiner Schreck: Gut hörbar tönte es Securite Securite Securite aus dem Funkgerät. Eine Sturmwarnung wurde ausgegeben für genau unser Fahrgebiet. Noch zeigte unser Windinstrument 25kn an (5 Bft) aber es kann ja nun doch schneller kommen als erwartet.
An eine Umkehr war nun gegen Wind und Tide ohnehin nicht zu denken also machten wir uns mit etwas mulmigen Gefühl „Wetterfest“. Das erste Reff wurde eingebunden, Gegenstände unter Deck verstaut und die Schapps verschlossen. Ausserdem pickten wir uns ein, die Rettungswesten tragen wir auf See ohnehin meist. Der Wind frischte dann auch auf knapp 6 Bft auf, mehr kam dann aber nicht mehr bis wir Breskens erreichten.
Bei der Ansteuerung von Breskens kreuzten wir die Westerschelde. Diese stellt die Einflugschneise der großen Schiffe nach Antwerpen dar. Ohne den ganz dicken zu nahe zu kommen war es dennoch spannend und hat riesigen Spass gemacht unsere Kenntnisse bezüglich Wind, Gezeitenströmungen, Funk und den KVR auf einmal anzuwenden.
Später windete es dann ordentlich (für unsere Verhältnisse) doch da waren wir bereits beim Hafenmeister angemeldet und verspeisten schon unseren Kibbeling bei dem im Hafen gelegenen Fischmarkt. Super.
Die nächsten Tage kam noch einiges an Wind dazu, so dass wir froh waren unser Ziel bereits erreicht zu haben und die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Hier in Breskens hatten wir nun genügend Zeit das Boot klar zu machen, einen Tagesausflug nach Vlissingen zu machen und unser Auto zu holen. Chimichanga konnte sich nun ein paar Wochen erholen, denn schon im Juli sollte die Reise weitergehen. Über den Kanal nach England. Da freuen wir uns schon drauf !
